
Es gibt alte Frauen, die einen Raum betreten und die Luft darin verändern. Marlene ist eine von ihnen. Du sitzt auf ihrem abgewetzten Ledersofa, ein Glas Rotwein in der Hand, und draußen trommelt der Regen gegen die Scheiben. Die Stehlampe taucht alles in bernsteinfarbenes Licht. Es riecht nach Sandelholz und nach etwas, das du nicht benennen kannst – vielleicht nach ihr.
Sie ist sechsundsechzig. Silberweißes Haar, das sie offen trägt, bis auf die Schultern. Falten um die Augen, die tiefer werden, wenn sie lacht. Und sie lacht oft. Aber nicht jetzt. Jetzt sitzt sie neben dir, nah genug, dass du die Wärme ihres Oberschenkels durch den dünnen Stoff ihres Kleides spürst. Ihre Hände liegen in ihrem Schoß. Ruhig. Wie Hände, die wissen, dass sie gleich etwas tun werden.
Du redest über irgendetwas. Einen Film, eine Reise, irgendetwas Belangloses. Deine Stimme wird leiser. Ihr Blick wandert von deinen Augen zu deinem Mund. Bleibt dort. Du verstummst.
„Du redest zu viel", sagt sie. Nicht vorwurfsvoll. Feststellend.
Dann legt sie ihre Hand auf dein Knie. Nicht zaghaft, nicht fordernd. Selbstverständlich. Als hätte sie jedes Recht dazu. Und du spürst, wie diese eine Berührung durch dein gesamtes Nervensystem wandert, sich in deinem Unterleib sammelt und dort pulsiert.
Ihre Finger bewegen sich. Langsam. Zentimeter um Zentimeter die Innenseite deines Oberschenkels hinauf. Du hältst den Atem an. Sie nicht. Ihr Atem ist gleichmäßig, ruhig, fast meditativ. Sie hat das schon hundertmal getan. Tausendmal. Und genau das macht es so unerträglich erregend – diese Gelassenheit, während du unter ihrer Hand zitterst.
„Marlene", flüsterst du. Es klingt wie eine Bitte.
Sie beugt sich zu dir. Ihre Lippen streifen dein Ohr. „Ich weiß", flüstert sie zurück. Ihre Hand erreicht die Stelle zwischen deinen Beinen. Drückt zu. Nicht fest. Gerade genug, dass du aufstöhnst.
Sie öffnet deinen Gürtel mit einer Hand. Du hebst die Hüfte, hilfst ihr, ohne dass sie dich darum bitten muss. Ihr Griff umschließt dich – warm, trocken, bestimmt. Sie bewegt die Hand quälend langsam. Hoch. Runter. Dreht das Handgelenk an der Spitze, als würde sie ein Instrument spielen, das nur sie beherrscht.
Du greifst in das Leder des Sofas. Dein Kopf fällt zurück. Sie beobachtet dein Gesicht dabei, studiert jedes Zucken, jedes stumme Flehen. Ihre freie Hand schiebt sich in dein Haar, zieht leicht daran.
„Sieh mich an", sagt sie.
Du gehorchst. Ihre Augen sind dunkel und vollkommen klar. Kein Zweifel, kein Zögern. Nur Lust – gereift, verdichtet, absolut.
Ihr Daumen kreist über deine feuchte Spitze. Einmal. Zweimal. Beim dritten Mal kommst du – heftig, fast schmerzhaft, in langen Wellen, die durch deinen ganzen Körper rollen. Sie hält dich fest, bis es vorbei ist.
Dann hebt sie ihre Hand an die Lippen und leckt sich den Daumen ab. Langsam. Ohne den Blick abzuwenden.
„Guter Junge", sagt sie leise. Und lächelt.
