
Ehefrauen und ihre Geheimnisse. Jede hat eines. Deines beginnt nach Mitternacht.
Das Haus ist still. Die Kinder schlafen. Neben dir das gleichmäßige Atmen deines Mannes, tief und ahnungslos. Du liegst auf dem Rücken, die Augen offen. Mondlicht fällt in Streifen durch die Jalousien, zeichnet Gitter auf die Decke. Die Luft ist warm, schwer, wie vor einem Gewitter. Du wartest. Wie jede Nacht wartest du, bis das Haus seinen letzten Atemzug tut und einschläft.
Dann gehörst du dir.
Es hat vor Wochen angefangen. Ein Handwerker. Breite Hände, dunkle Augen, ein Lächeln, das zu langsam war. Er hat den Wasserhahn in der Küche repariert und dabei so nah neben dir gestanden, dass du die Wärme seiner Haut durch sein T-Shirt spüren konntest. Er roch nach Holz und nach etwas Verbotenem. Als er ging, hast du seinen Namen in dein Telefon getippt. Nur den Namen. Mehr nicht.
Zuerst.
Jetzt sind da Nachrichten. Kurze, heiße Sätze, die du löschst, bevor du das Licht ausmachst. Er schreibt dir, was er mit dir tun würde. Wie er dich gegen die Küchentheke drücken würde, deine Hüften greifen, deinen Rock hochschieben. Wie sein Mund an deinem Hals wäre, seine Zunge an deinem Ohrläppchen, während seine Finger zwischen deine Schenkel gleiten.
Du drehst dich auf die Seite. Dein Atem geht schneller. Deine Hand wandert unter die Bettdecke, über deinen Bauch, tiefer. Du stellst dir seine Hände vor. Rauer als die deines Mannes. Fordernder. Du spreizt die Beine leicht, und deine Fingerspitzen finden die Stelle, die seit Stunden nach Berührung brennt.
Du bist schon feucht. Allein von der Vorstellung.
In deinem Kopf kniet er vor dir. Seine Zunge fährt langsam über deine Muschi, quälend langsam, während du dich an der Tischkante festkrallst. Du reibst dich schneller, presst die Lippen zusammen, um keinen Laut von dir zu geben. Neben dir schläft dein Mann. Das Bett darf nicht zittern. Aber dein Körper zittert längst.
Du stellst dir vor, wie er aufsteht, dich umdreht, wie sein harter Schwanz gegen dich drückt und dann in dich gleitet – tief, fordernd, bis zum Anschlag. Du kommst mit einem unterdrückten Stöhnen, das du in das Kissen beißt. Die Welle rollt durch deinen ganzen Körper, von der Mitte bis in die Zehenspitzen, heiß und erbarmungslos.
Stille danach. Dein Puls hämmert. Neben dir rührt sich nichts.
Du ziehst die Hand zurück. Wischst sie an der Bettdecke ab. Schließt die Augen.
Morgen wirst du ihm schreiben. Vielleicht diesmal mehr als nur Worte. Vielleicht diesmal eine Adresse. Eine Uhrzeit.
Jede Ehefrau hat ein Geheimnis. Deines wird gerade erst gefährlich.
