
Die Raumstation gleitet lautlos durch die Nacht. Durch das Bullauge fällt bläuliches Erdlicht auf die schmale Schlafkabine, taucht jede Oberfläche in ein unwirkliches Leuchten. Die Luft summt leise vom Lebenserhaltungssystem, gleichmäßig wie ein Herzschlag. Du bist seit drei Monaten hier oben, und die Stille hat sich längst in deinen Körper gefressen – eine Stille, die nach Berührung hungert.
Dann öffnet sich die Luke. Lena schwebt herein, lautlos, als gehöre sie zur Schwerelosigkeit. Missionsspezialistin, Ende dreißig, kurze dunkle Haare, die in der Luft schweben wie Tinte in Wasser. Ihre Augen sind warm und wach, ihr Mund hat diesen leichten Zug nach oben, der nie ganz ein Lächeln wird. Im engen Tanktop zeichnen sich ihre Schultern ab – definiert, stark. Du kennst ihren Körper nur durch Blicke. Bis jetzt.
Sie greift nach dem Haltegriff neben deinem Kopf, bremst sich ab. Ihr Gesicht ist plötzlich nah. So nah, dass du ihren Atem spürst, warm auf deiner Wange. Keiner von euch sagt etwas. Das Summen der Station füllt den Raum. Ihre freie Hand legt sich an deinen Hals – langsam, so quälend langsam, dass du jede einzelne Fingerkuppe spürst, wie sie sich auf deine Haut senkt. Dein Puls hämmert dagegen.
Du hebst deine Hand, berührst ihre Hüfte. In der Schwerelosigkeit drückt nichts, zieht nichts. Es gibt nur Nähe. Deine Finger schieben sich unter den Saum ihres Shirts, finden warme, glatte Haut. Lena schließt die Augen, atmet scharf ein. Ihr Körper dreht sich minimal, treibt näher an dich heran. Brust an Brust, Hüfte an Hüfte, schwerelos ineinander schwebend.
Ihr Mund findet deinen. Der Kuss ist weich, tastend, dann hungrig. Ihre Zunge gleitet über deine Unterlippe, und ein Laut entweicht dir, den du nicht kontrollieren kannst. Deine Hände wandern tiefer, schieben den Stoff ihrer Shorts über ihre Hüften. Sie hilft, streift sie ab, und der Stoff schwebt davon wie ein vergessener Gedanke.
Lena schlingt ihre Beine um dich, zieht dich in sich hinein. Die Bewegung ist langsam, schwebend, anders als alles, was du kennst. Kein Gewicht, keine Reibung gegen eine Matratze – nur ihr Körper um deinen, eng und heiß und pulsierend. Jeder Stoß lässt euch beide durch die Kabine treiben, sanft gegen die gepolsterte Wand, wieder zurück. Ihre Finger krallen sich in deine Schultern. Ihr Stöhnen vibriert gegen deinen Hals.
Das Erdlicht wandert über ihre nackte Haut, blau und unwirklich. Du spürst, wie sie sich um dich zusammenzieht, wie ihr Atem bricht, wie ein leises Ja gegen dein Ohr prallt. Dann kommt ihr beide – lautlos fast, zitternd, ineinander verschlungen, schwerelos treibend über einer schlafenden Welt.
Danach hält sie dich fest. Durch das Bullauge zieht ein Sonnenaufgang vorbei, golden über der Erdkrümmung. Sechzehn davon gibt es hier oben, jeden Tag. Aber dieser gehört nur euch.
