Die Reinigungskraft im leeren Haus

Es war ein fürchterlich heißer Nachmittag, als Clara in das weitläufige, leer stehende Haus eintrat. Der Staub tanzte im Licht, das sanft durch die hohen Fenster fiel. Sie war die Reinigungskraft und hatte den Auftrag, dieses alte, verwilderte Anwesen wieder in seinen früheren Glanz zu versetzen. Doch es war nicht nur der Staub, der sie an diesem Ort festhielt. Schon die ersten Schritte auf dem polierten Parkettweckten unerklärliche Gefühle in ihr. Es war nicht nur die Einsamkeit des Hauses, es war etwas anderes, das in der Luft lag, ein beinahe prickelnder Hauch von Geheimnis. Clara hatte den Hausbesitzer schon einmal getroffen, einen Männern mit durchdringenden Augen und einer Ausstrahlung, die sie sofort fesselte. Jetzt, in seiner Abwesenheit, fühlte sie sich unnötig lebendig; das Haus war ganz und gar leer und doch geladen mit unausgesprochenen Geschichten. Sie vibrierte bei jedem einzelnen Wisch mit dem Tuch über die Möbel. Die zunehmende Hitze in der Luft ließ ihr Herz schneller schlagen. Eingehüllt in diesen Moment, war es fast so, als würde er jeden Augenblick durch die Tür treten. Sie stellte sich vor, wie er sie ansehen würde, mit so heißem Blick, dass jeder Pulsierung in ihrem Inneren nachgeben würde. Geräusche draußen rissen sie aus ihren Gedanken. Nomadische Vögel zogen über den Himmel. Wiederholte Bewegungen, immer wieder, hielten sie ab, sich zu konzentrieren. Wenige Minuten später, als das Echo der letzten Arbeit verstummte, fiel ihr Blick auf die achteckige Treppe, die in den ersten Stock führte. Mit einem schnellen Blick in die Räumlichkeiten, entschied Clara, es wäre die ideale Gelegenheit, einen Blick zu riskieren. Hand in Hand mit der Ungewissheit neigte sie sich vor und spürte das Kribbeln, als sie die erste Stufe betrat. Ihre Schritte hallten durch die Stille, und in der übergroßen Stille versammelten sich in ihrem Kopf Gedanken und Fantasien über ihn. Oben angekommen, war der Raum voller Schatten, Lichtströme schienen zu tanzen und zu flüstern. Als sie das Schlafzimmer betrat, verlangsamte sich ihr Herzschlag. Der Raum war noch unberührt, und der verwilderte Wickel des Bettes trug den Duft von frischer Wäsche voller Verheißungen. Plötzlich hörte sie ein Geräusch, das sie fröstelte und gleichzeitig erregte. Es war die Tür, die hinter ihr zufiel. Wirbelnd drehte sie sich um, und ihr Herz setzte für einen unwirklichen Moment aus, als sie ihn sah. Der Hausbesitzer, dessen leidenschaftlicher Blick sie für einen kurzen Augenblick aus den Fugen zog, stand im Türrahmen. Sein dunkles Haar fiel ihm in die Stirn und sein durchdringender Blick durchbohrte sie eiskalt bis ins Mark. Ein geheimnisvolles Lächeln umspielte seine Lippen, während er den Raum durchdrang und sich den wenigen Schritten näherte. Claras Atmung wurde flach, die Luft zwischen ihnen knisterte. Es war, als ob die Zeit stehen geblieben sei. Ohne ein Wort zu sagen, sahen sie sich an, ein langer, spannungsgeladener Moment. Ihr Puls raste, als er näher kam. Die Entfernung zwischen ihnen schmolz wie die Eisblumen in der Sommerhitze. Was in diesem Raum passieren würde, war unausweichlich, und als er gerade vor ihr stand, hatte sie das Gefühl, dass der Raum, die Zeit und alle Regeln zusammenbrachen…

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