Ich erinnere mich an den Geruch. Altes Holz, Bohnerwachs und etwas Süßes – vielleicht sein Parfüm, vielleicht Einbildung. Es war ein Dienstagnachmittag, und ich hatte mich ins Kunstmuseum geflüchtet, weil mir die Decke auf den Kopf fiel. Einfach so, ohne Plan, eine erotische Museumsgeschichte, die ich nie erwartet hätte.
Die Galerie mit den alten Meistern war fast leer. Warmes Licht fiel durch die Oberlichter auf den polierten Marmorboden. Meine Schritte hallten leise. Es roch nach Stille, nach einer Welt, die nichts von mir wollte. Ich blieb vor einem Gemälde stehen – eine liegende Venus, schamlos schön, den Blick direkt auf den Betrachter gerichtet.
Da stand er. Schräg hinter mir, ein Skizzenbuch in der Hand. Schmale Finger, die den Bleistift hielten wie etwas Kostbares. Dunkle Locken, die ihm in die Stirn fielen. Ein weicher Mund, leicht geöffnet vor Konzentration. Er zeichnete – nicht die Venus. Mich.
Unsere Blicke trafen sich, und er wurde nicht rot. Er lächelte nur. Langsam, wissend, als hätte er mich längst durchschaut. Mein Herz schlug bis in meinen Unterleib.
Wir sagten nichts. Er ging weiter, ich folgte. Durch zwei Säle, an Landschaften und Stillleben vorbei, bis in einen kleinen Nebenraum, in dem niemand war. Nur eine Sitzbank, dunkle Wände, ein einzelnes Bild in schwerem Goldrahmen.
Er setzte sich, und ich setzte mich neben ihn. So nah, dass ich seine Wärme spürte. Seine Hand legte sich auf mein Knie, ganz selbstverständlich, als gehörte sie dahin. Meine Beine öffneten sich ein wenig, eine stumme Einladung, und seine Finger schoben sich höher, unter meinen Rock, über die Innenseite meines Oberschenkels.
Ich wurde so schnell nass, dass es mich selbst überraschte. Seine Fingerkuppen strichen über den dünnen Stoff meines Slips, fanden die feuchte Stelle, drückten sachte dagegen. Ich biss mir auf die Lippe. Das leise Summen der Klimaanlage verschluckte mein Stöhnen, als er den Stoff zur Seite schob und zwei Finger in mich gleiten ließ.
Langsam. So quälend langsam. Sein Daumen kreiste über meine Klitoris, während seine Finger mich dehnten, rhythmisch, bestimmt. Ich krallte mich an die Sitzbank, starrte auf das Gemälde vor mir und sah nichts. Nur Farben, verschwommen, pulsierend.
Als ich kam, zitterten meine Schenkel um seine Hand. Er hielt still, ließ mich ausatmen, zog seine Finger langsam zurück und leckte sie ab. Ohne ein Wort.
Dann stand er auf, lächelte, und ging.
Ich saß noch zehn Minuten auf dieser Bank. Allein mit der Venus, dem Bohnerwachs und dem Nachbeben zwischen meinen Beinen. Ich habe nie seinen Namen erfahren. Aber diesen Dienstag vergesse ich nie.
