Das Theater ist fast voll. Du sitzt in Reihe 7, Platz 14, und der Samtsitz gibt unter dir nach wie etwas, das sich ergibt. Die Luft riecht nach altem Holz, nach Parfüm, nach zu vielen Menschen auf engem Raum. Die Deckenleuchter dimmen. Stille breitet sich aus wie Samt über nackte Haut.
Er sitzt neben dir. Ein Fremder. Du hast ihn kaum angesehen, als er sich an dir vorbeigeschoben hat – nur seine Hüfte streifte dein Knie, nur seine Hand lag kurz auf deiner Armlehne. Aber du hast seine Finger bemerkt. Lang. Ruhig. Finger, die wissen, wo sie hingehören.
Das Stück beginnt. Stimmen von der Bühne, gedämpft, unwichtig. Dein ganzer Körper horcht nach rechts. Du spürst seine Wärme durch den schmalen Spalt zwischen den Sitzen. Sein Arm liegt auf der gemeinsamen Lehne. Deiner auch. Eure Unterarme berühren sich – kaum. Ein Millimeter Haut an Haut, und dein Atem stolpert.
Du bewegst dich nicht. Er bewegt sich nicht. Minuten vergehen. Auf der Bühne spricht jemand über Sehnsucht, aber du hörst nur das leise Rascheln seines Ärmels, als sein kleiner Finger sich hebt und über deinen streicht. Einmal. Langsam. Dein Mund wird trocken.
Seine Hand dreht sich. Handfläche nach oben, offen, wartend. Eine Einladung. Dein Herz hämmert so laut, dass die Frau vor dir es hören müsste. Du legst deine Finger hinein. Er schließt seine darum. Fest. Warm. Besitzergreifend.
Sein Daumen beginnt zu kreisen. Deine Handinnenfläche, dein Puls darunter. Langsam. Quälend langsam. Du presst die Schenkel zusammen, spürst ein Ziehen, das sich von deinem Handgelenk direkt zwischen deine Beine zieht. Sein Daumen wandert höher, dein Handgelenk, die empfindliche Innenseite, und du atmest hörbar aus.
Er beugt sich zu dir. Sein Mund streift dein Ohr. Kein Wort. Nur sein Atem, heiß und gleichmäßig, während seine Finger sich zwischen deine schieben, sie spreizen, sie wieder zusammendrücken. Dein Unterleib pulsiert, feucht und schwer.
Der Vorhang fällt. Applaus bricht los. Seine Hand löst sich. Du drehst den Kopf, aber er sieht geradeaus, ein kaum sichtbares Lächeln auf den Lippen. Zwischen deinen Beinen brennt es. Auf deiner Handfläche brennt es. Du weißt: Du wirst diesen Sitz nie wieder verlassen, ohne daran zu denken.
