Die Boulderhalle riecht nach Chalk, Schweiß und Ehrgeiz. Es ist später Nachmittag, die meisten Feierabend-Kletterer sind noch nicht da, und du hast die lila Route an der Überhangwand fast für dich allein. Fast – denn seit zehn Minuten spürst du seinen Blick.
Er steht an der Nachbarwand, kreideweißes Puder an den Fingern, ein verschmitztes Grinsen im Gesicht. Dunkle Locken, die ihm in die Stirn fallen. Unterarme, die aussehen, als wären sie aus warmem Marmor gemeißelt. Er klettert barfuß, und irgendetwas daran findest du absurd heiß.
„Dein rechter Fuß muss höher", sagt er, als du an der Crux hängst. Du verdrehst die Augen. „Danke, Coach." Er lacht. „Ich mein's ernst. Hüfte ran an die Wand, rechter Fuß auf den Sloper, dann erreichst du den Top-Griff."
Du probierst es. Deine Hüfte presst sich gegen den rauen Fels, du streckst dich – und toppst die Route. Unten angekommen, klatscht er langsam. „Siehst du? Hüfte ran wirkt Wunder."
„Und was bekomme ich als Belohnung?", fragst du und pustest dir Chalk von den Fingern. Er tritt einen Schritt näher. „Kommt drauf an, was du willst."
Fünf Minuten später zieht er dich in den schmalen Gang hinter der Umkleide, wo die alten Crashpads gestapelt sind. Sein Mund schmeckt nach Magnesium und Minze, seine rauen Kletterhände greifen deine Hüften, als wärst du der eine Hold, den er auf keinen Fall loslässt.
Du spürst seine harten Bauchmuskeln unter dem dünnen Shirt, als du dich an ihn drückst. Seine Finger schieben sich unter deinen Hosenbund, langsam, fragend. Du nickst gegen seine Lippen, und er gleitet tiefer. Zielsicher. So wie er klettert – präzise, geduldig, mit genau dem richtigen Druck.
Dein Rücken lehnt an der kühlen Betonwand, während seine Finger dich in einen Rhythmus bringen, der nichts mit Klettern zu tun hat und doch alles mit Körperspannung. Du vergräbst die Hand in seinen Locken, ziehst ihn näher, atmest scharf ein. Er flüstert an deinem Ohr: „Hüfte ran, weißt du noch?"
Du lachst atemlos, dann stöhnst du, dann wird dir kurz schwarz vor Augen, weil er genau da nicht aufhört. Dein ganzer Körper spannt sich an wie an der Crux – und löst sich. Welle um Welle.
Danach stehst du da, Stirn an seiner Schulter, Beine wie nach einem 7b-Projekt. Er küsst deine Schläfe. „Gleiche Zeit morgen?"
Du grinst. „Nur wenn du wieder spottest."
